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News Rede zum Exil: Für die Freiheit der Anderen kämpfen
Liao Yiwu hält Rede zum Exil

Rede zum Exil: Für die Freiheit der Anderen kämpfen

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hielt gestern Abend in der Körber-Stiftung die „Rede zum Exil“. Der starke Auftritt bildete den öffentlichen Abschluss der Fachkonferenz „Exilland Deutschland – Herausforderungen in Wissenschaft, Kultur und Journalismus“. Mann beißt Hund hat die Körber-Stiftung bei der Öffentlichkeitsarbeit rund um die Rede zum Exil und die Fachkonferenz unterstützt.

Liao Yiwus Gedicht „Massaker“ – verfasst wenige Tage nach dem Massaker am Tien’anmen-Platz –machte ihn weltweit berühmt. In China brachte es ihm jahrzehntelange politische Verfolgung ein. Auch heute, 30 Jahre nach dem Massaker, prägen Erfahrungen von Gefängnis und Folter noch immer sein Leben. „Wer innerlich frei ist, ist der natürliche Feind jedes diktatorischen Regimes“, sagte der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller gestern Abend in der Körber-Stiftung während der diesjährigen „Rede zum Exil“. Die Rede ist ein Höhepunkt der Veranstaltungsreihe zum Fokusthema „Neues Leben im Exil“ der Körber-Stiftung. Damit möchte die Stiftung dazu beitragen, Exilierte in Deutschland stärker in den bürgerschaftlichen Dialog einzubinden und ihre Anliegen in die Gesellschaft zu tragen.

Freiheit wertschätzen

Eine Botschaft lag Liao Yiwu besonders am Herzen: Werte wie Demokratie, Freiheit und Menschenreche müssen geschätzt und verteidigt werden. „Ich möchte nicht ohne Menschenwürde leben. Das ist kein Leben und das möchte ich auch den Menschen in Deutschland zeigen.“ Schlicht und eindringlich skizzierte der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Liao Yiwu gestern Abend in der Körber-Stiftung, warum er auch im Exil für die Freiheit kämpft. „In dieser Zeit musst du ein Gedicht schreiben, als Verbeugung vor den Verdächtigen.“ Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erinnert in seiner Rede zum Exil immer wieder an die Freunde, die in China noch inhaftiert und Repressalien ausgesetzt sind.

Innere Freiheit erlangen

Die Erkenntnis seiner inneren Freiheit, schilderte Yiwu, habe er erst im Gefängnis erlangt. Sein Mut und alles, was er sei, habe seinen Ursprung im Gefängnis. „Im Gefängnis habe ich zur Genüge Erfahrungen mit der Folter gemacht und ich habe zweimal versucht, mir das Leben zu nehmen. Doch es war auch das Gefängnis, in dem ich gelernt habe, im Geheimen zu schreiben, und in dem ich von einem über achtzig Jahre alten Mönch das Flötenspiel gelernt habe. Beim Flötenspiel habe ich verstanden, ‚dass Freiheit im Inneren entspringt‘.“ Heute, im deutschen Exil, ist die Musik für ihn ein Bindeglied an die alte Heimat geblieben, etwa wenn er Flöte spiele, „für mich, meine kleine Tochter und nicht zuletzt für meine seelenverwandten Freunde in Unfreiheit.“

Seine bewegende Rede machte deutlich: Ein Leben im Exil sichert zwar das Überleben, zieht aber keinen Schlussstrich unter das bisher Erlebte.

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