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Krisenkommunikation zu #tazgate: Verschiedene Wege, nichts zu sagen

In Krisensituationen ist es manchmal angebracht, sich mit öffentlichen Stellungnahmen zurückzuhalten. Das kann rechtliche Hintergründe haben. Es braucht Zeit und erfordert Sorgfalt, Vorgänge zu klären, die einen selbst kalt erwischt haben. Es kann darum gehen, Verdächtige erst einmal zu schützen. Gut vorstellbar, dass die taz im Augenblick in so einer Situation steckt.

Am Freitag ist bekannt geworden, dass ein Techniker einen langjährigen Redakteur der taz dabei beobachtet hat, wie er einen Keylogger aus einem Computer entfernt hat. Mit dem Stick lassen sich sämtliche Tastatureingaben, die an einem Rechner gemacht wurden, nachvollziehen, also auch die Eingabe von Passwörtern. Ob dieser Redakteur tatsächlich seine Kollegen ausgespäht hat, ob er der war, dessen Name jetzt in Medienberichten und in sozialen Netzwerken schon genannt wird – das mag die taz wissen oder auch gerade prüfen. Es ist richtig, dass sich die Verantwortlichen die notwendige Zeit dafür nehmen.

Es gibt aber verschiedene Wege, mit einer Stellungnahme zu sagen, dass man noch nichts sagen kann. Der, den die taz gewählt hat, zeugt von wenig Sensibilität gegenüber ihren Leserinnen und Lesern und allen, die sich für die unglaublichen Vorgänge interessieren:

taz_Stellungnahme

Jeder, der das Blog besucht, um Hinweise zu erhalten, bekommt mit diesem Satz zugleich einen Abwatscher: „Das geht dich nichts an“. Und das eben ist falsch. Die Vorwürfe, die im Raum stehen, haben weitere Dimensionen als eine rein interne Personalangelegenheit der taz. Es geht um die Sicherheit von Informationen, die gefährdet sein könnten – sensible Informationen, die die taz auch von außen erhält. Es geht um das Vertrauen in einen Redakteur, der jahrelang für diese Zeitung geschrieben hat. So wie die taz das Recht und die Aufgabe hat, die Vorgänge zu klären, so hat die Öffentlichkeit einen Anspruch darauf, darüber unterrichtet zu werden.

Die Geschäftsführung der taz könnte sich also zumindest so etwas wie Verständnis dafür abringen, dass jetzt viele Fragen aufkommen. Sie sollte ein Bewusstsein der Tragweite der Geschehnisse signalisieren. Und ihrerseits um Verständnis dafür bitten, dass man jetzt noch keine Stellungnahmen geben kann. Inhaltlich käme das auf das gleiche hinaus – wir können jetzt noch nichts sagen. Man könnte damit aber eben auch noch mehr kommunizieren:

„Wir verstehen, dass gerade ein berechtigtes Interesse an den Vorgängen in unserer Redaktion aufgekommen ist – wir können aber leider aus dem und dem Grund noch keine Aussagen dazu machen. Wir unternehmen diese und jene Schritte und werden hoffentlich zu Anfang der Woche zu den Geschehnissen Stellung nehmen können. Wir bitten um Verständnis, hoffen auf die Geduld aller, die jetzt Fragen haben, und möchten alle bitten, sich mit Mutmaßungen und Verdächtigungen zurückzuhalten.“

Es ist auch empfehlenswert, dass in einer solchen Situation ein/e Verantwortliche/r ein offizielles Statement dieser Art in Persona abgibt, also Gesicht zeigt, auch wenn er oder sie keine weiteren Informationen liefern kann. Die Chefredakteurin Ines Pohl hat den  Satz gegenüber dem „Medienmagazin“ von Radio eins (rbb) zwar noch einmal wiederholt – mehr aber eben auch nicht.

Wer sich für die Hintergründe der Vorfälle interessiert, dem sei die Sendung Medienmagazin vom Samstag empfohlen. Dort geht es auch um die Zusammenhänge zwischen dem, was jetzt als „tazgate“ gehandelt wird, und den sogenannten „SZ-Leaks“. Nur wenige Tage, bevor die Vorgänge in der taz bekannt geworden sind, hat eben jener Journalist, der als Verdächtiger genannt wird, in seinem Blog über seine Zeit als Redakteur in der Beilagenredaktion der Süddeutschen Zeitung berichtet. Er bezichtigt die Süddeutsche der Schleichwerbung und veröffentlicht heimliche Mitschnitte aus einem Gespräch mit seinem damaligen Vorgesetzten.

Update, Montag, 23. Februar, 18 Uhr: Heute äußert sich die taz-Chefredaktion Ines Pohl, zugleich veröffentlicht die Redaktion eine detaillierte Chronologie der Ereignisse. Dabei geht Ines Pohl auch auf die Frage ein, warum sich die taz erst jetzt äußert:

„Während andere Medien bereits über den Fall berichteten, haben wir uns zunächst mit einer Bewertung des Vorgefallenen zurückgehalten. Das hatte arbeitsrechtliche und andere juristische Gründe. Zum anderen hatte es für uns Vorrang, eine interne Aufklärung der Vorkommnisse in die Wege zu leiten.“

Eine Bewertung konnte man am Freitag sicher noch nicht erwarten. Genau diese Sätze aber schon.

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