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Mobile Reporting – Ein Selbstversuch

Foto­gra­fie­ren, fil­men, schnei­den – und alles auf dem Han­dy. Vom 28. bis 29. Sep­tem­ber 2015 nahm ich an der Wei­ter­bil­dung „Mit dem Smart­pho­ne mul­ti­me­di­al berich­ten“ an der Aka­de­mie für Publi­zis­tik in Ham­burg teil. Gleich vor­weg: Es hat sich gelohnt!

Was ich vor dem Semi­nar nicht für mög­lich gehal­ten hät­te, funk­tio­nier­te tat­säch­lich: Am zwei­ten Tag waren wir bereits in der Lage, einen Kurz­film in zuge­ge­ben nicht per­fek­ter, aber durch­aus anspre­chen­der Qua­li­tät mit dem Smart­pho­ne zu pro­du­zie­ren. Wir, das sind in die­sem Fall die zwölf Teil­neh­mer, die jeweils in Zwei­er­teams los­ge­zo­gen waren, um inner­halb von zir­ka fünf Stun­den ein kom­plett eigen pro­du­zier­tes Video abzu­lie­fern. Die ein­zi­ge Vor­ga­be von Semi­nar­lei­ter Mar­cus Bösch lau­te­te: Wir soll­ten die zuvor gelern­te 5-Shot-Regel anwen­den. Das heißt in der Film­spra­che, die Kame­ra­ein­stel­lun­gen „Detail, Nahe, Halb­na­he, Tota­le und Super­to­ta­le“ nut­zen.

Soweit so gut, mach­ten wir uns also an die Arbeit. Mein Mit­strei­ter Simon und ich waren uns schnell einig: Wir woll­ten bei bes­tem Herbst­wet­ter unbe­dingt drau­ßen fil­men und da bot sich ein nahe gele­ge­ner Segel­club an der Außen­als­ter als inter­es­san­te Loca­ti­on an. Dort ange­kom­men hat­ten wir auch gleich Glück. Spon­tan erklär­ten sich zwei begeis­ter­te Hob­by­seg­ler bereit, unser fil­mi­sches Expe­ri­ment zu unter­stüt­zen.

So kam fol­gen­der Kurz­film zustan­de:

Wie sind wir bei der Pro­duk­ti­on vor­ge­gan­gen? Simon und ich haben bei­de gefilmt, ohne uns inhalt­lich groß­ar­tig abzu­stim­men. Die O-Töne der Prot­ago­nis­ten sind dann auch eher zufäl­lig ent­stan­den, was im Nach­hin­ein aber gut war, denn dadurch wirkt alles sehr authen­tisch. Und dass die bei­den erfah­re­nen Seg­ler zwei Ver­su­che brauch­ten, um bei böi­gem Wind aus dem Hafen zu gelan­gen, nun gut, das war natür­lich nicht geplant, sorg­te aber für dyna­mi­sche Bil­der und gewis­se Situa­ti­ons­ko­mik.

Zurück am Schnitt­platz haben wir dann zunächst das Mate­ri­al gesich­tet, eine Schnitt­lis­te erstellt und mit­hil­fe des Pro­gramms iMo­vie aus dem Mate­ri­al eine Samm­lung mit favo­ri­sier­ten Takes erstellt. Die­se 10 bis 30 Sekun­den Film­schnip­sel haben wir anschlie­ßend in pas­sen­der Rei­hen­fol­ge geord­net. Am Ende stell­te sich noch die Fra­ge, ob wir den Film mit Musik unter­le­gen soll­ten. Doch haben wir uns dage­gen ent­schie­den, weil uns die natür­li­che Atmo in die­sem Fall bes­ser gefiel.

Gedreht haben wir die Sze­nen ohne Sta­tiv, was uns zwar nicht ganz ohne „Wack­ler“ gelun­gen ist, aber für den Anfang bes­ser als erwar­tet funk­tio­nier­te. Wirk­lich posi­tiv über­rascht waren wir auch dar­über, dass wir die O-Töne in so guter Qua­li­tät ein­fan­gen konn­ten. Wir haben ohne exter­nes Mikro­fon gear­bei­tet. Hier soll­te man aber – je nach Loca­ti­on – immer vor­her über­le­gen, ob ein Ansteck­mi­kro gege­be­nen­falls zu bes­se­ren Ergeb­nis­sen führt. Das­sel­be gilt für ein Sta­tiv. Gera­de wenn man ein län­ge­res Inter­view mit dem Smart­pho­ne in unru­hi­ger Umge­bung fil­men möch­te, ist bei­des sicher­lich unver­zicht­bar.

Was haben wir noch in den bei­den Tagen gelernt?

Dozent Marcus Bösch im Seminarraum der Akademie für Publizistik.

Dozent Mar­cus Bösch im Semi­nar­raum der Aka­de­mie für Publi­zis­tik.

Nach einer kur­zen Ein­füh­rung ins Mobi­le Reporting hat uns Mar­cus Bösch gezeigt, wie man pro­fes­sio­nel­le Fotos mit dem Smart­pho­ne schießt, von der Ein­stel­lung, über die Bild­be­ar­bei­tung – zum Bei­spiel mit der Foto-App Snap­seed – bis hin zum Ver­sand direkt vom Han­dy in die Redak­ti­on. Wei­ter haben wir in auf­ein­an­der auf­bau­en­den Pra­xis­übun­gen die wich­tigs­ten Bild­ein­stel­lun­gen, Inter­view­tech­ni­ken und das Hand­werks­zeug für gutes Sto­ry­tel­ling ver­mit­telt bekom­men. Dabei haben wir uns auch neu­es­te Über­tra­gungs­for­ma­te wie Bam­bu­ser, Meer­kat und Peri­scope ange­schaut. Gera­de zu letz­te­rem For­mat hat sich Mar­cus Bösch aktu­ell Gedan­ken auf sei­nem Blog Mobi­le Jour­na­lism gemacht und dazu das neue jour­na­lis­ti­sches For­mat aus dem Hau­se Axel Sprin­ger kom­men­tiert. Es heißt Peri­sco­por­ta­ge. Bild-Chefreporter Paul Ron­zhei­mer hat dort zum Bei­spiel einen syri­schen Flücht­ling auf sei­nem Weg nach Deutsch­land beglei­tet und die Flucht via Peri­scope immer wie­der live doku­men­tiert. Dies ist nur eines von vie­len Bei­spie­len, die ein­drucks­voll zei­gen, wel­che Dyna­mik auf die­sem Gebiet gera­de herrscht. Auch hier im Blog gab es ja kürz­lich einen Bei­trag zum The­ma „Peri­scope für Hoch­schu­len“ von Mar­cus Flat­ten.

Alles in allem war es aus mei­ner Sicht ein rund­um gelun­ge­nes Pra­xis­se­mi­nar, weil wir vie­les selbst aus­pro­bie­ren konn­ten. Jetzt liegt es an mir selbst, das Gelern­te wei­ter zu opti­mie­ren und hof­fent­lich schon bald das ers­te eige­ne Mobile-Reporting-Stück zu pro­du­zie­ren.

Über Mar­cus Bösch

Er arbei­tet als frei­be­ruf­li­cher Mul­ti­me­dia­jour­na­list unter ande­rem für die Deut­sche Wel­le. Außer­dem refe­riert, trai­niert und berät er als zer­ti­fi­zier­ter Trai­ner zu den The­men Mobi­le Reporting, Digi­ta­ler Wan­del und News­ga­mes. Er betreibt das Blog Mobi­le Jour­na­lism.

http://www.marcus-boesch.de/

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