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Periscope für Hochschulen

Viel­leicht wird man 2015 als Jahr der mobi­len Live­kom­mu­ni­ka­ti­on in Erin­ne­rung behal­ten: Mit Meer­kat und Peri­scope sind im Früh­jahr zwei Platt­for­men online gegan­gen, bei denen es vor allem um das Jetzt geht. Vide­os wer­den dort nur kurz oder über­haupt nicht gespei­chert, nach dem Mot­to: Wer’s ver­passt, hat Pech gehabt. Letz­te Woche hat­te ich das Ver­gnü­gen, die­sen Trend in einem Work­shop auf der Jah­res­ta­gung Hoch­schul­kom­mu­ni­ka­ti­on in Duis­burg vor­zu­stel­len. Im Raum waren rund 30 Mit­ar­bei­ter von Pres­se­stel­len und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lun­gen deut­scher Hoch­schu­len. Es ging mir vor allem um die­se drei Fra­gen:

  • Was pas­siert da gera­de?
  • Wie fin­den wir das?
  • Was kön­nen wir damit machen?

Livestreaming in Hochschulen — wie finden wir das?

Etwa die Hälf­te der Teil­neh­mer war von Peri­scope inspi­riert, die ande­re war skep­tisch. Die wich­tigs­ten Ein­wän­de grob zusam­men­ge­fasst:

Das wird kei­nen Erfolg haben.“

Es gebe doch schon so vie­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le. Außer­dem sei­en Stu­die­ren­de gene­rell nicht so aktiv auf Twit­ter. Viel­leicht sei es ein­fach noch zu früh, um da ein­zu­stei­gen – bes­ser abwar­ten.
Mei­ne Mei­nung dazu: Ja, kann sein. Aber im Nach­hin­ein betrach­tet haben „First Mover“ vie­le Vor­tei­le. Sie kön­nen sich mit gerin­gem Auf­wand von ande­ren abgren­zen, früh Erfah­run­gen sam­meln und rela­tiv frei expe­ri­men­tie­ren, bevor sich höhe­re Qua­li­täts­stan­dards durch­ge­setzt haben.

Nicht geeig­net für die Wis­sen­schaft.“

Wis­sen­schaft­kom­mu­ni­ka­ti­on lebe von kom­ple­xen The­men, die nicht in einem wacke­li­gen Han­dy­film ver­mit­telt wer­den könn­ten.
Mei­ne Mei­nung dazu: Peri­scope wird sicher kein Haupt­ka­nal für das Public Under­stan­ding of Sci­ence wer­den. Aber es bie­tet eine gute Mög­lich­keit, Wis­sen­schaft zu per­so­na­li­sie­ren und greif­bar zu machen. Vor mei­nem geis­ti­gen Auge sehe ich Phy­si­ker, die per Knopf­druck Pho­to­nen auf die Rei­se schi­cken. Oder eine Labo­ran­tin beim Pipet­tie­ren. Und die Zuschaue­rin auf Peri­scope fragt per Kom­men­tar­funk­ti­on: „Was machst du da gera­de?“ Wis­sen­schaft besteht eben oft aus ein­fa­chen Hand­lun­gen, die man zei­gen kann – erst die Theo­rie dahin­ter ist kom­plex.

Flüch­ti­ge Streams — das ist doch Ver­schwen­dung von gutem Mate­ri­al.“

Wenn man schon den Auf­wand trei­be, dann soll­ten die Fil­me auch per­ma­nent ver­füg­bar sein.

Mei­ne Mei­nung dazu: Natür­lich kann jeder sei­ne Periscope-Filme anschlie­ßend auf You­Tube ver­öf­fent­li­chen und vie­le machen das ja auch. Da sieht man dann rela­tiv lang­wei­li­ge Auf­nah­men von Fei­ern auf dem Cam­pus oder Insti­tuts­er­öff­nun­gen. Was hier fehlt, ist der Reiz des Gegen­wär­ti­gen und die Mög­lich­keit, live mit dem Peri­scoper zu kom­mu­ni­zie­ren. Außer­dem: Wenn ich oft und spon­tan fil­men will – und genau das macht den Reiz von Peri­scope und Meer­kat aus – dann wird die Qua­li­tät mit­tel­mä­ßig sein. Und genau dann lohnt es sich eher nicht, den Film per­ma­nent zu spei­chern.

Mir ist nicht klar, wie das Live-Filmen auf dem Cam­pus ankommt. Wie ist das eigent­lich recht­lich?“

Mei­ne Mei­nung: Ja, das ist ein wich­ti­ger Punkt. Bei einem pro­fes­sio­nel­len Dreh mit Kame­ra­team sieht jeder, wor­um es geht, und kann sich „in Sicher­heit brin­gen“ oder Ein­spruch erhe­ben, wenn er oder sie nicht gefilmt wer­den möch­te. Ein Peri­scoper dage­gen bleibt oft zunächst uner­kannt und kann live gesen­de­tes Mate­ri­al auch nicht mehr löschen. Hier fehlt es noch an Erfah­rung und „Peris­ket­te“ (spon­ta­ne Wort­schöp­fung). Viel­leicht hilft es, wenn Hoch­schu­len ihre Cam­pus Repor­ter mit einem auf­fäl­li­gen Out­fit aus­stat­ten und über die Akti­on infor­mie­ren. Recht­lich gel­ten ver­mut­lich die bekann­ten Regeln über das Recht am eige­nen Bild und die Foto­gra­fie im öffent­li­chen Raum. Auf die­sem Gebiet bin ich aber kein Exper­te – wer mehr weiß, ger­ne kom­men­tie­ren.

Sehr hörens­wert ist in die­sem Zusam­men­hang die­ses Inter­view mit Nik­ki Sun­strum, Direc­tor of Soci­al Media at the Uni­ver­si­ty of Michi­gan.

Was können wir damit anfangen?

Die Teil­neh­mer in Duis­burg soll­ten mit ihren Nach­barn dis­ku­tie­ren, wofür sie Peri­scope nut­zen kön­nen. Als ich das sag­te, stieg der Lärm­pe­gel um eini­ge Dezi­bel – offen­sicht­lich gab es viel zu bespre­chen. Vie­le gute Ide­en sind dabei her­aus­ge­kom­men:

  • Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Stu­di­en­in­ter­es­sen­ten und Erst­se­mes­tern: „mal einen nor­ma­len Tag an der Uni zei­gen“, Campus-Rundgang etc.
  • Berich­te aus dem Aus­land, z.B. von Gast­stu­den­ten, Pro­fes­so­ren, Partner-Universitäten
  • Ent­hül­lun­gen, Ein­wei­hun­gen
  • Über­tra­gung von Sit­zun­gen des Stu­die­ren­den­par­la­ments (Stu­Pa)
  • Strea­ming von Alumni-Veranstaltungen – für alle, die nicht dabei sein konn­ten und ihre ehe­ma­li­gen Kom­mi­li­to­nen wenigs­tens auf dem Bild­schirm sehen wol­len.
  • State­ments des Prä­si­den­ten, viel­leicht in einem regel­mä­ßi­gen For­mat
  • Stu­di­en­be­ra­tung, z.B. Inter­view mit einem/-r Studienberater/-in oder mit Stu­die­ren­den im Sin­ne einer „peer edu­ca­ti­on“. Gestell­te Bera­tungs­si­tua­ti­on dage­gen sind eher unpas­send für Live-Videos, die ja gera­de von der Authen­ti­zi­tät leben.
  • Bei Events kann Live­strea­ming spon­ta­ne Ein­drü­cke ver­mit­teln, ohne Anspruch auf voll­stän­di­ge Doku­men­ta­ti­on
  • In Kri­sen­si­tua­tio­nen stellt ein Live­stream Trans­pa­renz her über das, was gera­de pas­siert, zum Bei­spiel auch bei Beset­zun­gen, Demons­tra­tio­nen oder ähn­li­chen Aktio­nen.
  • Ganz prag­ma­tisch könn­ten per Live­strea­ming auch die War­te­schlan­gen in der Men­sa gefilmt wer­den. Aller­dings gin­ge das auch mit einer klas­si­schen Web­cam.
  • Bericht aus den Stadt­tei­len“ nann­te eine Teil­neh­me­rin ihre Idee, via Peri­scope über Stadt­teil­fes­te und Par­ties zu berich­ten – vor allem für Stu­die­ren­de.
  • Bericht über Pro­jekt­wo­chen

Wei­te­re Ide­en oder Erfah­run­gen? Dann bit­te gleich hier kom­men­tie­ren. Das The­ma ist an deut­schen Hoch­schu­len noch so jung, dass jeder Hin­weis sicher dan­kend auf­ge­nom­men wer­den wird.

Mei­ne Prä­sen­ta­ti­on auf Sli­desha­re

 

Ein Kommentar

  • 8. Oktober 2015 [Pingback] - Mobile Reporting – Ein Selbstversuch
    […] Gebiet gerade herrscht. Auch auf die­sem Blog gab es ja kürz­lich einen Bei­trag zum Thema „Peri­scope für Hoch­schu­len“ von Mar­cus […]

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