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Das Heft selbst in die Hand nehmen

Gespräch mit dem früheren Chefredakteur von „Focus Schule“, Mathias Brüggemeier, der das Magazin in Eigenregie weiterführen wird.

Anfang des Jahres, kurz vor Erscheinen der ersten Ausgabe in 2013, teilte der Burda Verlag das Aus für das Magazin „Focus Schule“ mit. Nur wenige Monate nach dem Relaunch und veränderter inhaltlicher Ausrichtung hatte man dem Projekt im Verlag keine Chancen mehr gegeben. Nun hat Chefredakteur Mathias Brüggemeier das Heft selbst in die Hand genommen:

Mathias Brüggemeier

Mathias Brüggemeier

Das ehemalige „Focus Schule“ erscheint Ende Mai zum ersten Mal und dann alle zwei Monate unter neuem Titel im Eigenverlag des Chefredakteurs. Im Gespräch mit Nicola Wessinghage berichtet Brüggemeier, was ihn zu diesem Schritt bewogen hat, was bleibt und was anders wird.

Mann beißt Hund: Herr Brüggemeier, nach dem Aus erscheint das ehemalige „Focus Schule“ nun als „Magazin Schule“, dessen Herausgeber Sie sind. Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Mathias Brüggemeier: Ich habe für die Ausgründung eine Firma mit eigenem Kapital und Beteiligung aus der Familie gegründet, die Woerterwelt GmbH. Da bin ich geschäftsführender Gesellschafter und Chefredakteur in einem und führe sowohl das Unternehmen als auch das Magazin. Wobei das Magazin im Moment das einzige Produkt ist, das wir erstellen, was auf Dauer nicht so bleiben soll. Ich mache das eigenständig, aber natürlich nicht ganz alleine. Einige Leute aus dem bisherigen Team, viele Autoren, die bisher dem Heft verbunden waren, sind auch weiterhin dabei. Sie arbeiten im Moment noch frei. Da wir gut eingespielt sind, funktioniert das glücklicherweise auch so.

Mann beißt Hund: Sie haben sich damit für das Modell „Chefredakteur-Buy-out“ entschieden und können sich dafür an erfolgreichen Vorbildern orientieren. Was macht Sie für „Magazin Schule“ zuversichtlich?

Mathias Brüggemeier: Wir versuchen natürlich, uns von den gelungenen Beispielen etwas abzugucken: von „brand eins“, von „Emotion“, das uns wegen der Zielgruppe noch näher ist, oder von „Impulse“ als Vorbild aus jüngerer Zeit. Ich bin zuversichtlich, weil ich sehe, dass einige Zeitschriften in ihrem Markt, der in einem Umbruch ist, durchaus bestehen können. Verlage trennen sich von einem Titel nicht unbedingt deshalb, weil die Leser kein Interesse mehr daran hätten. Manchmal passt ein Magazin einfach nicht mehr in die Strukturen des Hauses, in dem es bislang erschienen ist. So war es auch bei „Focus Schule“, das immer so etwas wie ein Solitär im Burda Verlag gewesen ist. Wir hatten keine großen thematischen Überlappungen mit anderen Titeln und konnten nicht so richtig gut mitvermarket werden. Ich bin überzeugt, dass man erfolgreich ist, wenn man diese Titel mit spitzer Zielgruppe anders denkt und mit anderen Methoden als denen der großen Publikumstitel an das Konzept und die Vermarktung herangeht.

Mann beißt Hund: Noch im Sommer letzten Jahres ist „Focus Schule“ mit einem Relaunch erschienen und hat sich im Gegensatz zu früher mehr als Familienmagazin positionieren wollen. Werden Sie diesen Kurs beibehalten?

Mathias Brüggemeier: Wenn wir ehrlich sind und uns die Zahlen anschauen, kann man nicht sagen, dass unser Relaunch im vergangenen Jahr ausschließlich erfolgreich gewesen ist. Gleichzeitig sind wir immer noch von den Grundlagen dessen überzeugt, was uns dazu gebracht hat, uns in diese Richtung zu verändern. Ich werde das Heft jetzt behutsam weiterentwickeln. Der Grundgedanke, dass ein Magazin mehr leisten muss, als nur Tipps zu geben, ist richtig. Wir müssen für die Eltern Begleiter sein, wir müssen Orientierung bieten, inspirieren. Das sind Dinge, die in dem neuen Konzept jetzt viel mehr Platz finden. Wir werden unsere Kernkompetenz wieder stärker in den Vordergrund stellen, nämlich das Lernen. Das schulbezogene Lernen genau wie das Lernen fürs Leben und das Lernen, das die Persönlichkeit ausmacht. Und dazu werden wir auch wieder mehr Tiefe liefern.

Mann beißt Hund: Ist das nach dem Schwenk hin zum Familienmagazin, von denen es ja im Markt schon einige gibt, wieder eine stärkere Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz?

Mathias Brüggemeier: Jein. Sie haben Recht, dass wir uns ein bisschen mehr in Richtung Familienmagazin entwickelt haben. Auf der anderen Seite ist die direkte Konkurrenz nicht wirklich vorhanden, weil wir eigentlich mit unserem Heft oben auf all diesen Konkurrenten aufsetzen. „Family“, „Familie & Co“, „spielen und lernen“ – all diese Magazine begleiten die Eltern mit ihren Kindern bis zum Beginn der Schulzeit, höchstens bis zur ersten, zweiten Klasse. Wir fangen da eigentlich erst richtig an, wenn die Schulprobleme tatsächlich losgehen. Wenn die Kinder klein sind, haben alle Eltern die gleichen Probleme. Es ist relativ einfach, für diese Phase ein Magazin zu machen, das sehr viele anspricht. Wenn die Kinder größer werden, verändern sich die Familien wieder und separieren sich eigentlich in die normalen gesellschaftlichen Milieus. Was aber alle verbindet, sind die Schwierigkeiten und Möglichkeiten, die sich mit der Schule verbinden. Und da müssen wir deutlich machen, dass das der Ausgangspunkt für unser Magazin ist.

Mann beißt Hund: Ihre Zielgruppe sind also Eltern, die bis zu einem bestimmten Alter ihrer Kinder noch stark mit den Fragen rund um Schule und Lernen beschäftigt sind?

Mathias Brüggemeier: Wir reichen durchaus bis hin zur Berufsorientierung und der Frage: Wie geht’s eigentlich weiter? Das ist auch ein Themenbereich, um den wir uns verstärkt kümmern, weil der Beratungsbedarf größer geworden ist. Denn die Berufsfelder verändern sich, Eltern wie Kinder und Jugendliche haben viel zu wenig Überblick. Klar, unsere Kernzielgruppe sind immer die Eltern. Gleichzeitig haben wir schon immer auch Lehrkräfte berücksichtigt. In der Vergangenheit waren je nach Titel bis zu 20 Prozent unserer Leser Lehrer. Einige davon sind vielleicht auch selber Eltern, andere wollen nur wissen, mit welchem Schmarrn die Eltern beim nächsten Elternsprechtag wieder vor der Tür stehen. Die haben wir im Kopf. Dabei können und wollen wir natürlich nicht die Tiefe anstreben, die die pädagogischen Fachmagazine erreichen.

Mann beißt Hund: Sie starten zunächst ohne eigenes Online-Portal und bauen vermutlich auf die schon bestehenden Abonnenten?

Mathias Brüggemeier: Rund 20.000 Abonnenten und zusätzliche Leser am Kiosk. Bis Ende 2011 waren wir am Kiosk der verkaufsstärkste Elterntitel. Aber Sie haben schon Recht. Online und Print zu trennen ist einigermaßen künstlich. Allerdings müssen wir uns auch da überlegen, was eigentlich unsere Funktion in der Welt ist. Es wird uns nicht gelingen, ein Newsportal aufzubauen, das gegen etwas wie „Spiegel Online“ oder „Focus Online“ – und sei es nur in diesem Themenbereich – angehen kann. Das ist wahrscheinlich gar nicht notwendig, denn unsere Kernkompetenz ist ja gerade nicht das schnelle Oberflächliche, sondern das Vertiefende, das Hintergründige, das Überraschende. Auch das kann man natürlich wieder sehr gut in die Online-Welt zurückbringen. Wir führen zum Beispiel erste Gespräche über Content-Kooperationen und denken auch über weitere Distributionskanäle unserer Inhalte nach.

Mann beißt Hund: Mit welchem Themenschwerpunkt startet denn das erste „Magazin Schule“?

Mathias Brüggemeier: Da werden wir uns stark den Chancen widmen, die unser Schulsystem jenseits des gradlinigen „Mein Kind muss unbedingt aufs Gymnasium“ bietet. Wir werden über alternative Wege zur Hochschulreife und zur Universität berichten. Das ist gerade ein großes Thema. Ansonsten ist es ja eher unsere Sommer-Ausgabe, mit der wir nicht so sehr in Schule und Unterricht einsteigen, sondern eher allgemein Erziehung beleuchten. Da nehmen wir zum Beispiel ein paar Erziehungsirrtümer unter die Lupe.

Mann beißt Hund: Wir sind gespannt darauf und wünschen „Magazin Schule“ viel Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch!

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