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TikTok bewegt die Wissenschaftskommunikation

Wie erreichen Wissenschaftskommunikator*innen die 16- bis 24-Jährigen in einem spritzigen Videokanal voller niedlicher Tier- und aberwitziger Fail-Videos? Antworten dazu gaben drei TikTok-Expert*innen bei unserem Online-Stammtisch Wissenschaftskommunikation. Lest hier die zehn Learnings des Abends.

Interessierte Zuhörer*innen online versammelt

Interessierte Zuhörer*innen online versammelt

Robert Lepenies, Amelie Reigel und Rebecca Winkels nutzen TikTok auf jeweils ganz unterschiedliche Weise: Chemikerin Amelie promoviert gerade und bespielt als @diewissenschaftlerin einen erfolgreichen TikTok-Kanal. @thetiktokscientist Robert postete einen Beitrag zur Klimapolitik und erntete unerwartet mehr als 30.000 Views. Und Rebecca von Wissenschaft im Dialog (WiD) rief mit ihrem Team für ihre Organisation während der Corona-Zeit den Kanal @viral_news_wid ins Leben, um wichtige Informationen rund um COVID-19 publik zu machen. Aus ihren Erfahrungen haben wir 10 Learnings zusammengestellt:

  1. Anfangen, Ausprobieren, Dranbleiben
    Die Devise lautet: einfach mal machen! Und wenn es nicht so gut war, einfach noch einmal versuchen. So richtig falsch machen – das geht auf TikTok eigentlich nicht. Und wer schon einmal angefangen hat: Weitermachen, sich trauen, die verschiedenen Möglichkeiten der Plattform auszutesten. Früher oder später gibt es dann auch Erfolge.
  2. Keine Follower? Kein Problem.
    Auch ohne viele Follower können Videos eine große Reichweite erlangen. Der Algorithmus von TikTok wählt auch unbekannte Videos oder Kanäle aus, um sie der Masse anzubieten.
  3. Sich selbst treu bleiben!
    Bei TikTok geht es um Persönlichkeit. Wir sind im Video zu sehen und zeigen dem Publikum, wofür wir uns interessieren. Die eigene Persönlichkeit macht die Themen interessant. Die Devise lautet also: Authentisch bleiben.
  4. Den richtigen Ton treffen
    Videos mit Musik kommen besser an als andere. Leider lässt sich als offizieller Corporate Account nicht auf die Fülle der kostenlosen Musik zurückgreifen, was die Sache für Anfänger*innen erheblich erschwert.
  5. Abwechslung durch verschiedene Reihen
    Was trägt die Wissenschaftlerin unter ihrem Kittel? Unter dieser Überschrift veröffentlicht @diewissenschaftlerin immer neue Beiträge, die mit der Neugier der Follower*innen spielen und ganz einfach zeigen, was sie Tag für Tag trägt. Diese Reihe erfreut sich großer Beliebtheit und wird ergänzt durch Beiträge live aus dem Labor und kurze Erklärfilme. Dadurch wird der Kanal interessant und abwechslungsreich. Außerdem erleichtern solche Reihen das Posten, da sie eine klare Linie vorgeben.
  6. TikTok schnell verstehen? Fehlanzeige
    Andere Kanäle erschließen sich schnell und intuitiv, einfach durch die Nutzung. Bei TikTok sieht das etwas anders aus. Der Innovationsfaktor ist enorm hoch und der Algorithmus diffus und intransparent. Damit unterscheidet sich TikTok aber nicht von anderen Plattformen, die ein ebenso großes Geheimnis um ihren Algorithmus machen.
  7. Datenschutz
    TikTok steht beim Thema Datenschutz schon länger in der Kritik. Als chinesisches Unternehmen gelten hier für die Nutzer*innen andere Regeln, als zum Beispiel in Deutschland. Sicherheitslücken in der App und fragwürdige Moderationspraktiken sind nur zwei der Vorwürfe an das Unternehmen. Es gibt allerdings erste Bestrebungen, sich an europäische Normen anzupassen: So hat sich TikTok unter anderem zu freiwilligen Maßnahmen gegen Desinformation verpflichtet.
  8. Das Potenzial von TikTok wartet darauf, ausgeschöpft zu werden
    Die enorme Reichweite dieser Plattform, insbesondere in der jungen Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen, lässt sich durch kaum ein anderes Medium erzielen. Dieses Potenzial wird in Deutschland bisher noch verkannt.
  9. TikTok ist Infotainment pur
    Wer Wissenschaft auf TikTok erfolgreich unter die Leute bringen will, muss ihre/seine Themen gut aufbereiten und mit einer ordentlichen Portion Entertainment kombinieren.
  10. Eine Frage der Seriosität?
    Ob Wissenschaftler*innen noch ernstgenommen werden, wenn sie wissenschaftliche Themen so unterhaltsam anbieten? Diese Frage stellt sich gar nicht, solange wir uns dabei selbst treu bleiben und uns nicht allzu ernst nehmen. Siehe Learning Nr. 3: Bleibe authentisch. Dann funktioniert das Prinzip TikTok von ganz allein.

Der nächste Stammtisch Wissenschaftskommunikation #hhswk findet dann im Frühjahr 2021 statt. Mehr Details zum Stammtisch.

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