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Mit Begeisterung kommunizieren: Fünf Jahre Stammtisch Wissenschaftskommunikation

Seit fünf Jahren tauscht sich die Community unseres Stammtisches Wissenschaftskommunikation regelmäßig über aktuelle Themen in der Wissenschaftskommunikation aus. Anlässlich des Jubiläums haben wir das zum Thema gemacht, was bei unserer Arbeit immer eine wichtige Rolle spielen sollte: Begeisterung und Spaß.

Freudige Gesichter beim digitalen Stammtisch Wissenschaftskommunikation zum 5-jährigen Jubiläum.

Wer in der der Wissenschaftskommunikation arbeitet, kennt es: Manche Themen sind sperrig und lassen sich schwer vermitteln. Andere hingegen sind leichter zugänglich und erhalten fast von allein viel Aufmerksamkeit. Welche Rolle spielt die eigene Begeisterung für das Thema und für die Wissenschaft und wie wichtig ist Humor, wenn wir wissenschaftliche Inhalte verständlich und anregend aufbereiten wollen? Wie sieht eine gute, professionelle Zusammenarbeit von Journalismus und PR aus?

Beim Stammtisch Wissenschaftskommunikation haben wir in einem angeregten Online-Meeting mit der mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftsjournalistin Nicola Kuhrt genau darüber gesprochen. Sie ist Mit-Gründerin und Leiterin des Online-Magazins für evidenzbasierten Medizinjournalismus „Med-Watch, Vorständin des Vereins Wissenschaftspressekonferenz und hat mehrere Bücher herausgebracht, zuletzt als Co-Autorin den Ratgeber „Fakten-Check Impfen“ (Gräfe und Unzer Verlag, 2021).

Das Gespräch mit Nicola Kuhrt hat Nicola Wessinghage, Geschäftsführerin von Mann beißt Hund, geführt. Wir veröffentlichen Auszüge daraus.

Als freie Journalistin deckst du Medizin-Mythen auf, schreibst über Gesundheitsthemen und setzt dich für die Aufklärung von Verbraucher*innen ein. Was treibt dich in deiner journalistischen Arbeit an?

Schon während meines Volontariates bei der Westdeutschen Zeitung habe ich meine Leidenschaft für den Wissenschaftsjournalismus entdeckt. Komplizierte Sachverhalte verständlich und interessant zu erklären und sich nicht in Details zu verlieren, ist eine Königsdisziplin. Leidenschaft und Freude helfen dabei ungemein: Wenn man für etwas brennt, hat man die nötige Ausdauer. Mich ärgern Ungerechtigkeiten und Halbwahrheiten. Patient*innen tappen durch fehlende Aufklärung und falsche Versprechen in Fallen und setzen auf unwirksame Medikamente und Behandlungsmethoden, die im Internet immer wieder angepriesen werden. Bei meinen Recherchen widme ich mich diesen Themen und versuche Verbraucher*innen Orientierung zu geben.

Was zeichnet eine gute Wissenschaftsjournalistin aus?

Unermüdliches Recherchieren! So lange, bis alle Perspektiven durchdacht sind. Ich habe Germanistik und Soziologie studiert und somit keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Ich muss mir mein Wissen bei fast jedem Thema aneignen. Das hat aber auch Vorteile, denn dadurch stelle ich oft wichtige Fragen und hake nach. Über die Jahre habe ich mir in bestimmten Bereichen recht viel Hintergrundwissen angeeignet und kenne inzwischen auch die entsprechenden Ansprechpartner*innen und Quellen.

Nicola Wessinghage und Nicola Kuhrt im Gespräch

Für deine investigativen Recherchen stehst du häufig mit Pressestellen in Kontakt. Was macht gute Pressearbeit in der Wissenschaft aus?

Gute Pressesprecher*innen reagieren schnell auf meine Anfragen und antworten verständlich und präzise auf Fragen. Manchmal scheint es mir, als stünden Journalist*innen unter Generalverdacht. Einzelne Pressesprecher*innen von großen Unternehmen und Konzernen wollen kritische Nachfragen immer wieder einfach abwimmeln. Dabei ist genau das mein Job. Ich brauche auch Antworten auf unangenehmere Fragen. Gleichzeitig beobachte ich eine Professionalisierung der Branche, denn die Kommunikation hat an Relevanz gewonnen. Presseabteilungen werden größer und versuchen, aktiv in die Öffentlichkeit zu treten. Hervorragende Arbeit leistet übrigens auch das Science Media Center, das unabhängige Informationen zu aktuellen Themen für Medienschaffende bereitstellt und seriöse Expert*innen vermittelt.

Auch du sitzt sicherlich manchmal vor Themen, die auf den ersten Blick trocken und langweilig wirken. Was hilft dann – und wie viel Emotion ist erlaubt?

Kommunikation braucht Lebendigkeit und Humor, um Menschen für unsere Themen zu begeistern. Doch das ist ein schmaler Grat: Man darf Sachverhalte nicht ins Lächerliche ziehen oder künstlich Emotionen erzeugen. Jede Art der Wissenschaftskommunikation, ob Artikel, Video oder Social- Media-Beitrag, muss letztendlich die Realität abbilden. Aber ein kleiner Lacher oder eine Pointe schadet meist nicht.

Was ist für dich ein No-Go im Wissenschaftsjournalismus?

Schreiben Wissenschaftler*innen journalistische Beiträge, entstehen manchmal Mammut-Texte, die die wenigsten lesen wollen. Möglichst viele Informationen und Details sollen untergebracht werden. Journalistin*innen müssen sich trauen, Aspekte wegzulassen und Themen herunter zu brechen – ohne, dass der Text an Substanz verliert. Das ist auch eine Kunst.

Welches Format der Wissenschaftskommunikation bringt dich zum Lachen oder macht dir einfach Spaß?

Unterhaltsam sind die Beiträge des Wissenschaftskabarettisten Martin Moder, der Mythen über Gentechnik und Medizin aufklärt.. Er schafft es, Wissenschaftsthemen auf eine humorvolle Art und Weise zugänglich zu machen, entlarvt zum Beispiel Corona-Fakenews und klärt Fragen rund um die Impfstoffe. Besonders gespannt bin ich, welche Formate in den kommenden Jahren besonders für junge Menschen entwickelt werden.

MedWatch ist ein unabhängiges Medium, das sich ohne Werbung aus der Unterstützung durch das Publikum finanziert. Wer sich über die Arbeit informieren und das Portal unterstützen möchte, findet hier weiter Informationen.

Ein paar weitere Beispiele für Wissenschaftskommunikation, die uns Spaß macht:

  • YouTube Kanal maiLab: Die Wissenschaftsjournalistin, Autorin und Speakerin Mai Thi Nguyen-Kim bespricht wissenschaftlich fundiert aktuelle Themen aus der Medizin und den Naturwissenschaften und setzt sich für die Aufklärung von Gesundheitsmythen und Fake News ein. Begeisterung und Spaß an den Themen sind wichtige Zutaten ihrer erfolgreichen Beiträge. Ihr Video zur Corona-Pandemie wurde innerhalb von vier Tagen mehr als vier Millionen Mal aufgerufen und war zeitweise Nummer eins der YouTube-Trends.
  • Diversity auf TikTok: Auf Avalino findet ihr humorvolle Beiträge zu den Themen Diversity, Vorurteile und strukturellen Rassismus. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Themen Familie und Erziehung.
  • Wir werden alle sterben: Ob E-Coli-Bakterien auf Salatblättern, Feinstaub aus Holzöfen, Insektenteile in Schokolade oder Fäkalien im Whirpool: Im Videocast spricht der YouTuber und Wissenschaftsjournalist Lars Fischer über Gefahren, die im Alltag lauern.
  • Weitere Beispiele im Beitrag Wissenschaftscomedy auf Wissenschaftskommunikation.de

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