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Ganz schön wackelig: Videos mit dem Smartphone drehen

Videos mit dem Smartphone drehen geht schnell und ist relativ einfach. Laurenz Blindenbacher, seit September fest im Team von Mann beißt Hund, hat in den vergangenen Wochen einige Erfahrungen damit gemacht. Welche Probleme dabei aufgetaucht sind und wie er sie gemeistert hat, berichtet er hier.

Horizontal vor Vertikal
Der Film ist ein horizontales Medium. Filme und Videos im Querformat entsprechen unseren Sehgewohnheiten, wir finden sie einfach schöner. Das gilt auch für Videos, die wir mit dem Smartphone filmen. Außerdem lassen sich Bilder im Querformat viel besser einrichten, zum Beispiel, wenn es um den Goldenen Schnitt geht. Ausnahmen: Filme für Snapchat und Instagram, die im Hochformat abgespielt werden. Hier ist der unprofessionelle Look quasi Bestandteil der Ästhetik. Man sollte also vorher wissen, ob das Video für eines dieser Profile oder aber für YouTube und Facebook gedacht ist.

Der richtige Griff
Ein Hauptproblem beim Filmen ist, das Bild stabil zu halten. Ein kleines Sortiment an Zusatz-Equipment wie Stativ oder Stabilisator verhindert üble Wackler. Wenn man dennoch freihändig filmen muss, hilft es, das Smartphone mit beiden Händen zu halten und die Ellbogen am Körper abzustützen.

Bewegung: Weniger ist mehr
Allzu wilde Schwenks und Kamerabewegungen sollte man möglichst vermeiden. Gerade beim freihändigen Filmen verwackeln die in der Regel. Auch der Versuch, meinen ganzen Körper langsam mitzudrehen, hat den Effekt nur wenig verbessert. Diese Wackler in der Postproduktion zu korrigieren, dauert erfahrungsgemäß enorm lange.

Auch beim integrierten Zoom gilt: Weniger ist mehr. Selbst mit etwas Übung schafft man es kaum, den Zoom sauber in eine Aufnahme zu integrieren. Mir hat es geholfen, schon im Vorfeld zu überlegen: Wie kann ich die Szene in möglichst einfachen, stehenden Bildern auflösen?

Externe Mikros verwenden
Smartphone-Mikrofone eignen sich zwar gut zum Telefonieren, für einen sauberen Film-Ton reicht die Qualität aber nicht. Und wenn der Ton schlecht ist, schaltet man bei Youtube und Co. ganz schnell ab. Audiospuren im Nachhinein zu korrigieren, ist frustrierend und zeitaufwändig. Ein kleines, externes Mikrofon wirkt hingegen Wunder: Es filtert Störgeräusche heraus und hebt die wichtige Tonspur, wie zum Beispiel die Stimme des Protagonisten, hervor. Neben dem Stabilisator ist das Mikrofon also ein essenzielles Tool für gelungene Smartphone-Aufnahmen. Am elegantesten ist ein Ansteckmikrofon.

Überhang
Ich habe bei den meisten Aufnahmen nur gezielte Ausschnitte gefilmt – und mir damit die Postproduktion selbst schwer gemacht. Vom Moment des Auslösens bis zur eigentlichen Aufnahme vergeht oft eine Sekunde. Es hilft, die Kamera vorher und nachher kurz laufen zu lassen, also einen Überhang zu produzieren. Am Filmset gibt es dafür extra Kommandos wie „Set“ und „Action“. Dieser Überhang stellt sicher, dass nichts Wichtiges verloren geht. Hier ist zu viel also besser als zu wenig.

Zusatzlicht ist auch beim Dreh mit dem Smartphone häufig notwendig. Auch beim Videodreh mit dem Smartphone kommt es auf das richtige Licht an. ©MbH

Auch beim Videodreh mit dem Smartphone kommt es auf das richtige Licht an. ©Mann beißt Hund

Beleuchtung
Die richtige Helligkeit hinzubekommen, geht vergleichsweise leicht. Berührt man den Bildschirm an der gewünschten Stelle, richtet die Kamera den Fokus dorthin. Es ist also besser, das Smartphone nicht das machen zu lassen, was es für richtig hält. Externe Lichtquellen wie Reflektoren lassen das Video sofort professioneller aussehen und haben sich bei meinen Drehs gerade in Innenräumen als sehr hilfreich erwiesen. Sie sollten daher zur Basis-Ausstattung dazugehören.

Planung und Check-up
Eine meiner wichtigsten Erfahrungen: Alles, was man vor dem Dreh erledigen kann, sollte man auch vorher erledigen. Das minimiert den Stress während der Aufnahme. Ein kleines Storyboard oder eine Schnittliste sind hilfreich. So kann man sich immer auf den eigentlichen Plan besinnen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert (und das wird es). Und: Ein kurzer Technikcheck vor Drehbeginn ist ein Muss: Ist das Handy geladen? Ist der Flugmodus eingeschaltet? Funktioniert das Mikro? Wie ist das Licht?

Schnitt
Obwohl es inzwischen viele gute Schnitt-Apps wie AndroVid oder iMovie gibt, ersetzen die für mich den Schnitt am PC oder Laptop nicht. Beim Schnitt geht es um Timing und die nötige Präzision. Deshalb empfehle ich für alles, was über das Schneiden für Instagram hinausgeht, ein Schnittprogramm. Professionelle Programme sind nicht gerade günstig, bieten aber im Vergleich zu Freeware deutlich mehr Möglichkeiten. Die Videos bekommen eine sehr hohe Qualität. Ich persönlich nutze Sony Vegas 14.

Fazit
Noch vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen, beruflich via Smartphone zu filmen. Ich bin nach wie vor überrascht, wie gut die HD-Kameras der neueren iphones und Samsung Galaxys inzwischen sind. Mit dem richtigen Zubehör und ein bisschen Know-how lassen sich damit tolle Videos produzieren. Sie sind nicht immer ein Ersatz zur konventionellen Kamera, aber man kann mit den Geräten hervorragend kleinere Aufträge für Social Media selbst realisieren – und das flexibel und schnell und ganz ohne professionelle Unterstützung. Wofür es den Profi braucht, lesen Sie im Beitrag mit Kameramann Erik Hartung.

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