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Wie Daten Geschichten erzählen – Stammtisch Wissenschaftskommunikation zu Infografiken und Datenjournalismus

Daten die­nen heu­te nicht nur als Recher­che­grund­la­ge, son­dern lie­fern immer häu­fi­ger selbst den Treib­stoff für span­nen­de Geschich­ten. Wie sich die­se aus den Daten auf­spü­ren las­sen, wie man sie aus rohem Daten­ma­te­ri­al in Excel-Tabellen ent­wi­ckelt und umsetzt, dar­um ging es bei uns­rem sechs­ten Stamm­tisch Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on #hhswk am 7. Juni. „Daten­jour­na­lis­mus und Info­gra­fi­ken“ war unser The­ma. Als Exper­ten hat­ten wir den Gra­fi­ker Erik Tuc­kow und den Daten­jour­na­list Mar­co Maas ein­ge­la­den.

Die Schönheit der Daten als Infografik

Erik arbei­tet unter dem Label „sich­ta­gi­ta­ti­on“ als Gestal­ter zwi­schen Gra­fik, Agi­ta­ti­on und Infor­ma­ti­on.

Info­gra­fik bedeu­tet für mich, die Schön­heit der Daten zu ver­ste­hen“, sagt er. Für sei­ne Arbeit setzt er nicht nur auf die nack­ten Daten, son­dern mög­lichst umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen zu einem Pro­jekt. „Nur so ver­setzt ihr mich in die Lage, nicht nur ‚hübsch zu machen‘, son­dern auch mit­zu­den­ken und die Bot­schaf­ten auf den Punkt zu brin­gen“, erklär­te er. Erik zeig­te an eini­gen Arbeits­bei­spie­len, wie unter ande­rem struk­tu­rier­te oder illus­trier­te Gra­fi­ken funk­tio­nie­ren.

Info­gra­fi­ken bie­ten eine kom­pak­te Dar­stel­lung von kom­ple­xen Inhal­ten. Das gelingt laut Erik vor allem dann gut, wenn nur eine zen­tra­le Bot­schaft im Vor­der­grund steht.

Die Visua­li­sie­rung von Daten ist im bes­ten Fall ein Koope­ra­ti­ons­pro­jekt ver­schie­de­ner Betei­lig­ter: Grafiker*innen, Ver­ant­wort­li­che aus dem Bereich Öffent­lich­keits­ar­beit und nicht zuletzt Wissenschaftler*innen. Erik wünscht sich, dass alle drei Par­tei­en enger zusam­men­ar­bei­ten und auch Grafiker*innen und Wissenschaftler*innen direkt ins Gespräch kom­men. Mar­co Maas bestä­tig­te ihn dar­in.

In der Pra­xis tref­fen Mitarbeiter*innen aus Öffent­lich­keits­ar­beit oder Mar­ke­ting in Abstim­mung mit den Wissenschaftler*innen oft­mals schon eine Vor­auswahl. Für Gra­fi­ker sei es jedoch wich­tig, so Erik, den gan­zen Daten­satz zu ken­nen, um die Inhal­te und deren Zusam­men­hang bes­ser zu ver­ste­hen. Er sieht dar­in die Chan­ce, über neue For­men der Visua­li­sie­rung nach­zu­den­ken und sich von den klas­si­schen Bal­ken­dia­gram­men zu lösen. Erik erlebt jedoch häu­fig, dass es schon im Brie­fing kla­re Vor­stel­lun­gen und Vor­ga­ben gibt, wel­che Zah­len als Basis die­nen und wie das Ergeb­nis aus­se­hen soll.

Genau das, was ich wissen will: Komplexe Inhalte interaktiv visualisieren

Online las­sen sich heu­te inter­ak­ti­ve Visua­li­sie­rungs­for­ma­te ent­wi­ckeln und pro­gram­mie­ren, die die Aus­sa­ge­kraft klas­si­scher Infor­ma­ti­ons­gra­fi­ken weit über­tref­fen. Sie sind das Spe­zi­al­ge­biet von Mar­co Maas, dem zwei­ten Exper­ten des Abends. Mar­co gilt als einer der ers­ten Daten­jour­na­lis­ten in Deutsch­land. Mit sei­ner Agen­tur Open­Data­Ci­ty/ Daten­freun­de GmbH wur­de er bereits mehr­fach für sei­ne daten­jour­na­lis­ti­schen Pro­jek­te aus­ge­zeich­net.

Mar­co nutzt wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en als wich­ti­ge Quel­le für Datenjournalist*innen. Zugleich sieht er ein Poten­zi­al in daten­jour­na­lis­ti­schen Tech­ni­ken für die Wis­sen­schaft, weil sich For­schungs­er­geb­nis­se damit attrak­ti­ver und ver­ständ­li­cher in der Öffent­lich­keit kom­mu­ni­zie­ren las­sen. Aber auch in der inter­ak­ti­ven Vari­an­te ist die Kon­zen­tra­ti­on auf aus­ge­wähl­te Aus­sa­gen emp­feh­lens­wert:

Ins­ge­samt sieht Mar­co die Poten­zia­le der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on in Deutsch­land längst noch nicht aus­ge­schöpft.

Obwohl der Daten­jour­na­lis­mus in den letz­ten Jah­ren an Bedeu­tung zuge­nom­men hat, haben laut Maas heu­te weni­ge Redak­tio­nen die ent­spre­chen­den Bud­gets für auf­wen­di­ge daten­jour­na­lis­ti­sche Pro­jek­te zur Ver­fü­gung. Immer häu­fi­ger bekommt er inzwi­schen auch Anfra­gen von Unter­neh­men oder von NGOs, die ihre Daten schnell zugäng­lich machen oder auch für PR-Zwecke nut­zen wol­len. Mit drei Bei­spie­len sei­ner daten­jour­na­lis­ti­schen Pro­jek­te gab Mar­co uns einen Ein­blick in die Arbeit der Daten­jour­na­lis­ten.

Ver­rä­te­ri­sches Han­dy: Was Vor­rats­da­ten über uns ver­ra­ten

In Zusam­men­ar­beit mit ZEIT ONLINE berei­te­te die Agen­tur Open­Data­Ci­ty 2009 die Vor­rats­da­ten des Grünen-Politikers Mal­te Spitz auf. Er hat­te sie bei der Tele­kom ein­ge­klagt. Open­Data­Ci­ty stell­te sie in einer inter­ak­ti­ven Kar­te zur Ver­fü­gung. Auf Basis die­ser Daten und zusätz­lich im Netz ver­füg­ba­rer Infor­ma­tio­nen über Twit­ter, Blog­ein­trä­ge oder Web­sei­ten war es mög­lich, alle Bewe­gun­gen des Poli­ti­kers in einem bestimm­ten Zeit­raum nach­zu­zeich­nen und ver­schie­de­ne Rück­schlüs­se dar­aus zu zie­hen. Für die Auf­be­rei­tung und Dar­stel­lung erhiel­ten Mar­co und sei­ne Agen­tur den Grim­me Online Award und den Lead Award.

Sta­si ver­sus NSA

Sta­si ver­sus NSA ist ein Pro­jekt aus dem Jahr 2013, bei dem die Daten­men­gen, die die Sta­si erho­ben hat­te, mit denen der NSA ver­gli­chen wur­den. Um zu ver­deut­li­chen, welch rie­sig gro­ßer Unter­schied sich dar­aus ergibt, dass die NSA heu­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­te nicht auf­schreibt und abhef­tet, son­dern in ungleich grö­ße­ren Men­gen digi­tal erfasst und spei­chert, ent­wi­ckel­te die Agen­tur eine App. Die­se war in der Lage, die Men­gen der von der Sta­si und der NSA erho­be­nen Daten in Form von Flä­chen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen: „Wie viel Platz wür­den die Akten­schrän­ke der Sta­si und der NSA ver­brau­chen — wenn die NSA ihre fünf Zetta­bytes aus­dru­cken wür­de?“ Das Ergeb­nis konn­te sei­ne vol­le Wir­kung nur in der inter­ak­ti­ven visu­el­len Dar­stel­lung ent­fal­ten: Wäh­rend der DDR-Geheimdienst nur 0,019 Qua­drat­ki­lo­me­ter Stell­flä­che für Akten­schrän­ke benö­tig­te, bräuch­te die NSA etwa 17 Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­ter für ihre Daten. Mit­tels Zoom­tech­nik ließ sich die­ses Ergeb­nis ein­drucks­voll visua­li­sie­ren.

Neben­ein­künf­te von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten
2015 erschien in Zusam­men­ar­beit mit der FAZ ein Tool, das die Ver­tei­lung der Neben­ein­künf­te von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten inter­ak­tiv visua­li­siert.

Dar­ge­stellt wer­den alle Abge­ord­ne­ten, die in der lau­fen­den Legis­la­tur­pe­ri­ode min­des­tens eine Neben­tä­tig­keit über 1000 Euro aus­ge­übt haben. Bei der inter­ak­ti­ven Über­sicht kön­nen zum Bei­spiel bestimm­te Bun­des­län­der aus­ge­wählt oder die Neben­ein­künf­te von den männ­li­chen und weib­li­chen Abge­ord­ne­ten ange­zeigt wer­den.

Internet der Dinge: Mehr Daten, mehr Services, mehr Verantwortung

Daten­jour­na­lis­ti­sche Pro­jek­te sind eine, Smart Home eine wei­te­re Lei­den­schaft von Mar­co, die er beim Stamm­tisch unter­halt­sam vor­stell­te und dis­ku­tier­te. So sei sei­ne gesam­te Woh­nung mit „Echo Dots“ aus­ge­stat­tet, klei­nen sprach­ge­steu­er­te Gerä­ten, die durch Sprach­be­feh­le zum Bei­spiel die Beleuch­tung der Woh­nung regeln. Mar­co besitzt eine smar­te Bett­un­ter­la­ge, die das Licht in der gesam­ten Woh­nung abschal­tet, wenn zwei Men­schen län­ger als zehn Minu­ten im Bett lie­gen. 130 Gerä­te sind bereits in sei­ner Woh­nung mit­ein­an­der ver­netzt.

Die intel­li­gen­te Nut­zung der Daten, die sich mit der Ent­wick­lung des „Inter­net der Din­ge“ stän­dig dif­fe­ren­zier­ter erhe­ben las­sen, sieht Mar­co als unaus­weich­lich. Der trans­pa­ren­te und ver­ant­wort­li­che Umgang der Unter­neh­men und des Staa­tes mit unse­ren Daten ist ihm ein wich­ti­ges Anlie­gen – ein The­ma, für das er sich enga­giert und des­sen Dis­kus­si­on er mit dem Fort­schritt eng ver­knüp­fen möch­te. Daten­sou­ve­rä­ni­tät setzt vor­aus, zu ver­ste­hen und zu wis­sen, wie Daten gesam­melt wer­den und was damit geschieht.

Stammtisch Wissenschaftskommunikation: Location neu, Konzept bleibt

Zum sechs­ten Stamm­tisch haben wir zum ers­ten Mal eine neue Loca­ti­on aus­pro­biert und uns im Café Hadley’s zwi­schen Schlump und Grin­del getrof­fen. Das For­mat unse­res Stamm­ti­sches bleibt davon unbe­rührt, bei der neu­en Loca­ti­on wol­len wir blei­ben:.

Der nächs­te Stamm­tisch Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on ist für den 18. Juli ab 18.30 Uhr wie­der im Hadley’s geplant. Auf dem Pro­gramm steht die Orga­ni­sa­ti­on von Soci­al Media in Hoch­schu­len und wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fol­gen. Wer regel­mä­ßig über Ter­mi­ne infor­miert wer­den möch­te, mel­det sich bei info@mann-beisst-hund.de.

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