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Gendergerecht kommunizieren

Statt liebe Kollegen heißt es in Kiel und Hannover heute liebe Kolleg*innen, sehr geehrte Damen und Herren wird zu liebe Gäste: Immer mehr Institutionen, Medien und Unternehmen möchten in ihrer Sprache die Vielfalt der Gesellschaft abbilden und kommunizieren entsprechend. Auch Mann beißt Hund empfiehlt das „Gendern“.

Aufkleber an einem Hinweisschild in Kiel (Hörnbrücke)

Bild: Coyote III (Wikimedia) © Creative Commons

Wo ein Wille ist, gibt es gute Wege

Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich gendergerecht auszudrücken. Menschen, die darauf achten, wollen möglichst viele und verschiedene Zielgruppen mit den eigenen Botschaften erreichen und verbinden damit ein Statement für Vielfalt und Chancengleichheit. Das gilt nicht nur für die Schriftform. Über den Sinn der gendergerechten Sprache besteht allerdings in der Gesellschaft kein Konsens – das Thema wird noch immer heftig diskutiert. Die konträren Positionen hat die ZEIT in einer Pro- und Contra-Debatte vor einem Jahr einmal zusammengefasst.

Einen Aspekt daraus halten wir für besonders wichtig: Es geht beim Gendern weniger darum, von oben herab Sprachregelungen zu verordnen. Vielmehr bieten die entsprechenden Leitlinien Hilfestellungen für alle, die gendersensibel und verständlich kommunizieren möchten und die in ihrer Organisation an einer einheitlichen Regelung interessiert sind. Dass dabei Widersprüche auftauchen, dass es schwierige Einzelfälle gibt und dass Neues erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, lässt sich nicht bestreiten. Aber all das gilt für Sprache insgesamt. Es macht ihren Reichtum aus und bietet uns die nötige Flexibilität, um über die Sprache Realität nicht nur abzubilden, sondern auch zu gestalten.

Binnen-I oder Genderstern?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, MitarbeiterInnen, Mitarbeiter_innen, Mitarbeiter*innen oder einfach „das Kollegium“? Nicht alle Schreibweisen berücksichtigen, dass es neben dem männlichen und dem weiblichen noch das „dritte Geschlecht“ gibt. Es bezeichnet Personen, die sich nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zurechnen. Aktuell scheint es, dass sich das „Gendersternchen“ durchsetzen könnte, das auch dem dritten Geschlecht Ausdruck verleiht. In der Zeitschrift „working@office“ bestätigt das Dr. Sabine Krome vom Rat für deutsche Rechtschreibung.

Eine entsprechende offizielle Regelung steht allerdings noch aus. Im Duden-Ratgeber „Richtig gendern“ (2017) sprechen sich die Autorinnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer für diese und andere „Sparschreibungen“ aus. Sie weisen allerdings darauf hin, dass diese im amtlichen Regelwerk noch nicht vorgesehen sind und empfehlen sie deshalb eher für den „nicht-amtlichen“ Kontext.

Intern bei Mann beißt Hund haben wir uns für die Variante „mit*“ entschieden. Wir sind nicht an die Vorgaben der Amtssprache gebunden und finden die Lösung kurz, prägnant und praktikabel – dort, wo es passt. Wir möchten dazu beitragen, dass sie häufiger verwendet wird und hoffentlich bald auch zum Regelwerk gehört.

Alternativ nutzen wir die vielen anderen Möglichkeiten, die uns die Sprache bietet, um uns gendergerecht auszudrücken. Diese sind noch immer dann gefragt, wenn es um das Thema Barrierefreiheit und SEO geht. Allerdings kann der vermehrte Gebrauch des Gendersterns eben auch dazu führen, dass Suchmaschinen ihn in Zukunft berücksichtigen werden. Im besten Fall verschafft gendergerechte Sprache bei hoch gerankten Keywords auch eine Alleinstellung, mit der sich durchaus Erfolge erzielen lassen. Wir haben diese Erfahrung mit unserem Text über das Studierendenmarketing gemacht – Hochschulen, die das Thema interessiert, suchen offensichtlich danach, viele Anbieter sprechen aber immer noch von „Studentenmarketing“.

Weitere Möglichkeiten

Neben der Sparschreibung gibt es weitere Alternativen. Wir listen hier einige Beispiele aus dem Duden-Ratgeber auf – weitere zahlreiche Anregungen finden sich im Ratgeber oder bei den unten genannten Quellen.

Sachbezeichnung statt Personenbezeichnung

  • Quelle statt Informant,
  • Presse statt Journalist
  • Geschäftsleitung statt Geschäftsführer

Direkte Anrede statt unpersönlicher Äußerung

  • Bitte nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel statt Teilnehmer werden gebeten, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
  • Ihre Unterschrift statt Adresse des Mandanten

Formulierungen mit Adjektiv

  • fachlicher Rat statt Rat des Fachmanns
  • kritische Stimmen statt Kritiker

Kreative Komposita

  • Teilnahmegebühr statt Teilnehmergebühr
  • Redeliste statt Rednerliste
  • Gehweg statt Bürgersteig

Mehr als nur Schrift

Gendergerechtes Formulieren ist allerdings nicht nur ein Thema für die Schriftsprache. Gendersternchen oder -gap lassen sich zum Beispiel auch im Mündlichen aufgreifen, wenn wir nach dem Sternchen die Stimmbänder kurz schließen und das i mit klarem Ansatz aussprechen, ohne es mit dem vorangegangen Konsonanten zu verbinden. Hierfür macht der Duden übrigens keine Vorschriften.

Neben der gesprochenen Sprache beeinflusst auch die Bildauswahl, welche Vorstellungen bei den Zielgruppen aufgerufen werden: Wenn in einer Broschüre zum Thema Digitalisierung von insgesamt zwölf Personen nur zwei weiblich sind, so hat das unter anderem eine Auswirkung darauf, wer sich davon angesprochen fühlt – oder auch nicht. Und ist bei einer Diskussion nur die Moderation in weiblicher Hand, so ist das nicht nur vor Ort eine Aussage, sondern auch auf den Fotos der Veranstaltung, in Video-Mitschnitten, in der Ankündigung und im Programm. Unter dem Hashtag #wievieleFrauen werden insbesondere so genannte „all-male“-Podien inzwischen als unzeitgemäß kritisiert. Zum Thema Pressemitteilungen haben wir ein Meinungsbild bei Journalist*innen eingeholt – zu lesen in unserer Zusammenfassung.

Leitlinien für die gendergerechte Sprache

Wer sich für die gendergerechte Sprache entschieden hat, ist als Institution oder Unternehmen gut beraten, einige Punkte in einer Leitlinie festzulegen, die vor allem Orientierung bieten kann. Darin lässt sich unter anderem beschreiben,

  • mit welcher Haltung sich eine Institution oder ein Unternehmen für gendergerechte Sprache stark macht,
  • welche Variante einer möglichen Sparschreibung ggf. bevorzugt wird, um Einheitlichkeit zu schaffen,
  • welche allgemeinen Hinweise und Anregungen es gibt, um gendergerecht zu kommunizieren,
  • wie konkrete Beispiele aus dem Unternehmen oder in der Kommunikation gelöst werden können,
  • wer Ansprechpartner*in ist und Hilfestellung in schwierigen Fällen leisten kann.

Der NDR präsentiert mit seinen „Anregungen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ ein gutes Beispiel dafür, wie eine solche Ausarbeitung knapp, prägnant und wenig dogmatisch umzusetzen ist. Mann beißt Hund hat die agenturinterne Leitlinie auf der eigenen Website veröffentlicht.

Dieser Text entstammt unserem Newsletter „Wuff-Sendung“, in dem wir etwa sechs Mal im Jahr über Trends in der Kommunikation berichten, Tools vorstellen und Tipps geben. Wer keine Ausgabe verpassen möchte, registriert sich hier.

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