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Frohe Weihnachten mit Social Freezing

Auch in diesem Jahr haben wir unseren Weihnachtsgruß per Karte wieder als einen augenzwinkernden Rückblick auf ein aktuelles Thema gestaltet, das im ausgehenden Jahr für Diskussionen gesorgt hat. Diesmal hat es uns die Debatte um „Social Freezing“ angetan. Wir zeichnen hier noch einmal kurz den Ausschnitte der Diskussion nach, die bis heute nachwirkt und offenbar einen Nerv der Zeit trifft.

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Noch am 8. Dezember wählte Harald Martenstein im ZEIT-online-Magazin das Thema als Aufhänger für seine – wie immer polternde – Kolumne.

Alles begann am 14. Oktober mit einem Bericht von NBC News, der auch in Deutschland schnell die Runde machte: Facebook und Google bieten Frauen in den USA offensichtlich an, die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen zu übernehmen. Bei Facebook sei das schon Praxis, Google wolle es ab nächstem Jahr einführen. Die empörten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Claudia Keller sieht zum Beispiel in ihrem Contra-Beitrag zur Debatte im Tagesspiegel den Vorstoß der Unternehmen als Eingriff in das Privatleben der Mitarbeiter:

„Größer kann die Verquickung zwischen Arbeitgeber und Privatleben kaum sein, als wenn das Unternehmen Geld für die intimsten Wünsche bereit stellt.“

In den sozialen Netzwerken wurde heiß diskutiert. Dabei gab es nach einer ersten Empörungswelle auch Stimmen, die sich deutlich für Social Freezing stark machten – oftmals von Frauen. Sie sehen darin einen Schritt nach vorne in Sachen Chancengleichheit, weil die Abhängigkeit von der biologischen Uhr verringert werde.

Keine größere Debatte ohne einen Talk bei Günther Jauch dazu – auch hier wurden Pro- und Contra-Argumente ausgetauscht. Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar wies darauf  hin, dass die Frauen keineswegs Garantie hätten, dass sie mit den eingefrorenen Eiern später noch Mutter werden könnten. Zwei Frauen, die sich für die Methode entschieden hatten, waren dabei, und Zuschauerinnen wie Zuschauern wurde klar, wie vielschichtig das Thema eigentlich ist.

Immer wieder kam die Debatte dann auch wieder auch auf die ganz grundsätzlichen Fragen zurück.

Erst recht spät, als schon alle Argumente ausgetauscht schienen, meldete sich in der SZ der Erfinder der Pille, Carl Djerassi, zu Wort. Was in Deutschland bislang wenig diskutiert worden war, lässt ihn nachdenken: Warum wählen wir hier einen Begriff, den es – ähnlich wie das Wort Handy – im englischen Sprachgebrauch gar nicht gibt? Er geht der Wortbedeutung des Wortes „social“ nach, die im Oxford English Dictionary unter anderem mit „Krieg unter Verbündeten oder Feinden“ beschrieben wird. Und sieht genau darin die Verbindung: Die Debatte werde genutzt, um Frauen zu diffamieren, die im Kampf um Chancengleichheit mittels Einfrieren ihrer Eier den Männern gefährlich werden könnten. Gewagte These – wie es aber zu dem Begriff gekommen ist, ist eine interessante, noch offene Frage.

Die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch vermutet in ihrem Blog, dass die Verkürzung von „egg freezing for social reasons“ zu social freezing eine Unachtsamkeit eines oder einer Autorin gewesen sei, die sich durch Abschreiben in Deutschland schnell verbreitet habe. Sie verweist auf den Widerspruch, den der eingedeutschte Begriff in sich birgt, „denn ‚sozial’ assoziieren wir mit ‚warm fürsorglich’ und ‚gefrieren’ mit ‚kalt, abweisend’.

Wir haben das Thema natürlich auch in der Agentur diskutiert und die recht einhellige Meinung spiegelt unsere Karte wider.

„Wir finden: Gute Projekte sollte niemand einfrieren. Und Arbeit muss ins Leben passen, nicht umgekehrt“.

Die Unternehmen haben zuallererst die Aufgabe, Müttern wie Vätern zu ermöglichen, ihre Karriere so zu gestalten, dass Kinder darin vorkommen können und Eltern Zeit für sie haben. Wann sie sich entscheiden, Nachwuchs zu zeugen, ist ihre ganz persönliche Entscheidung. Wenn eine Frau meint, dass es für sie besser ist, erst später ein Kind zu bekommen und der Arbeitgeber diese Entscheidung erleichtert, so kann das in Ordnung sein. Allerdings unter einer Voraussetzung: Es müssen auch die Mütter vergleichbar positive Signale und Unterstützung in ihrer Karriereplanung erhalten, die ihre Kinder im jüngeren Alter bekommen möchten. Erst dann wird glaubwürdig, dass es Arbeitgebern um die Menschen und nicht allein um ihre Arbeitskraft geht.

Hinweis: Das Bild zu unserer diesjährigen Weihnachtskarte stammt übrigens von der anglikanischen Kirchengemeinde St. Matthew in the City in Auckland, Neuseeland, die es uns zum Abdruck freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Das provokante Motiv war im Dezember 2009 auf einem Plakat vor der Kirche zu sehen und sollte zum Gespräch über Grundfragen des christlichen Glaubens anregen. Es wurde mehrfach durch Messer- und Farbattacken zerstört und entfachte eine 2009 eine heftige Debatte, die es bis in den deutschen SPIEGEL schaffte. Wer mag, kann die damaligen Ereignisse auf den 2009er Einträgen der Facebookseite der Gemeinde nachvollziehen. Für uns ein bewundernswert mutiges Beispiel einer Kirche, die sich einmischt.

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